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Flugblatt zur Demo am 27.01.2012: FRIEDEN FÜR DEN KONGO!
Im Kongo herrscht seit 1996 Krieg. Mit an die vier Millionen Toten wird er als der tödlichste Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg angesehen. Vergewaltigungen von Frauen stehen an der Tagesordnung. Trotzdem in den Nachrichten gibt es nur selten Meldungen. Warum ist dieser Krieg den Medien keine Schlagzeile wert? Warum gibt es keinen internationalen Aufschrei wegen einer humanitären Katastrophe?
Nicht ethnische Konflikte, wie es oft dargestellt wird, sind Hintergrund für diesen andauernden Krieg, sondern die reichen Bodenschätze des Landes: Coltan, Kobalt, Kupfer, Gold und Diamanten. Die Kriegsherren haben ihre Soldaten in eine regelrechte Businessarmee verwandelt. Sie beuten das Land systematisch aus und stehen in Verbindung mit ausländischen Unternehmen. Die meisten dieser Bodenschätze finden in High-Tech-Industrien wie in der Produktion von Handys und Computern Verwendung.
Die Geschichte des Kongo: Sklavenhandel, Kolonialismus und tödliche Intrige
Die Geschichte des Kongo steht stellvertretend für die Geschichte des afrikanischen Kontinents. Nach über drei Jahrhunderten Sklavenhandel wurde das riesige Kongo-Becken auf der berüchtigte Berliner Konferenz 1886, wo die europäischen Kolonialmächte den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilten, dem belgischen König Leopolds II als sein Privatbesitz zugesprochen. Daraufhin wurde dort ein Netzwerk von Militärposten und Sklavenarbeitslagern installiert, in denen die Menschen durch grausame Gewalt zur Arbeit gezwungen wurden. Mit dem Gummi, Holz und Palmöl, die auf diese Weise aus dem Regenwald gesaugt wurden, bereicherten sich belgische und amerikanische Kapitalisten wie Guggenheim und Rockefeller.
Wie in ganz Afrika formierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg auch im Kongo eine Unabhängigkeitsbewegung, die vom jungen Politiker Patrice Lumumba angeführt wurde. Am 30. Juni 1960 wurde der Kongo von Belgien in die Unabhängigkeit entlassen. Doch schon ein paar Monate nach seinem Amtsantritt als Premierminister wurde Lumumba in einer tödlichen Intrige von Armee, Minengesellschaften und CIA gestürzt und am 15. Jänner 1961 erschossen. Er war 35 Jahre alt, als er starb. Kurz darauf erhob sich General Mobutu selbst zum Präsidenten, der Jahrzehnte lang die Bevölkerung brutal unterdrückte und sein Land gnadenlos ausbeutete. Nach seinem Sturz begannen die Destabilisierung des Landes und der blutige Krieg um die Ressourcen.
Sind die Länder Afrikas noch immer Kolonien?
Auch heute, ein halbes Jahrhundert nach der Unabhängigkeit, werden die afrikanischen Völker ihrer Reichtümer beraubt und gnadenlos ausgebeutet. An der Spitze der Staaten stehen Politiker, die mit den imperialistischen Mächten kooperieren. Waren es früher Sklavenhandel und Kolonialismus, sind es heute ungerechte Handelsbedingungen und sog. „Strukturanpassungsprogramme“, die den Menschen in Afrika das Genick brechen. Die politische Instabilität der afrikanischen Staaten kommt den Unternehmen zugute, die mit den Rohstoffen Afrikas gute Profite machen, ohne Steuern zu bezahlen. So werden die Reichtümer Afrikas dem Kontinent entzogen, während für die Menschen kaum etwas zurückbleibt. Wenn Menschen, die ihre Lebensgrundlage verloren haben und keine Perspektiven sehen, versuchen, in die reichen Länder zu fliehen, werden sie gejagt und bezahlen diesen Versuch oft mit dem Leben.
Wer profitiert von den Reichtümern Afrikas?
In Nigeria wird das fruchtbare Land durch die Ölkonzerne verseucht, die reichen Fischgründe vor den Küsten Somalias werden durch internationale Fangflotten leer gefischt, in Ghana zahlen Minengesellschaften kaum Steuer für den Abbau des Goldes, im Kongo herrscht blutiger Krieg um die Rohstoffe, fruchtbares Land in Äthiopien und Madagaskar wird von ausländischen Firmen zu Spottpreisen aufgekauft während Menschen hungern, Regenwälder werden für den Biospritanbau zerstört. Die Existenzgrundlage von Millionen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen wird durch ungerechte Handelsbedingungen vernichtet. Solange die Reichtümer Afrikas nicht in den Händen der afrikanischen Völker sind und solange sie nicht dem Wohl der Menschen dienen, sondern den Profitinteressen ausländischer Unternehmen, gibt es keine Unabhängigkeit! Jedes Jahr überweisen die afrikanischen Länder mehr Geld in die Industrieländer, um ihre Schulden zu begleichen, als sie Entwicklungshilfe aus diesen Ländern erhalten. Die Menschen schulden den imperialistischen Mächten nichts. Sie brauchen keine Almosen, sie brauchen faire Bedingungen.
Schluss mit der Ausbeutung des afrikanischen Kontinents!
Schluss mit allen Schuldenforderungen!
Schluss mit den Waffenexporten an Kriegstreiber!
Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen in Afrika!
TALK TOGETHER möchte dazu beitragen, die Isolation zu durchbrechen und Verbindungen zwischen den Menschen zu schaffen.
TALK TOGETHER möchte Räume erschließen zur Begegnung, zum Kennenlernen und für den kulturellen Austausch.
TALK TOGETHER - Zeitung von und für MigrantInnen und Nicht-Migrantinnen, möchte zur Kommunikation anregen und ein Forum bieten für den Meinungsaustausch und die Diskussion über politische und gesellschaftliche Fragen.
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